Tag 138: Ein Ende ohne Schrecken

Juni 27, 2010

Meine akademischen Tage in Istanbul sind gezählt. Ich habe alles hinter mich gebracht und bin seit letzem Donnerstag Prüfungsfrei. Das ich erst heute dazu komme, über die letzten Tage zu berichten liegt daran, dass ich diese mit der sehr stressigen Fulbright Bewerbung verbracht habe. Das Fulbright Stipendium ist sehr bekannt und weltweit vebreitet. Stipendiaten werden von den USA gefördert um int. Studenten in die USA und die eigenen Studenten in die Welt zu bringen. Die Ansprüche sind sehr hoch und die Plätze rar. Ich mache mir nicht allzu große Hoffnungen, wollte diese Möglichkeit jedoch nicht unversucht lassen. Die Dealine läuft am 02. Juli ab und ich hatte bisher nur einen groben Plan für welche Unis ich mich bewerben möchte. Da ich mir jedoch möglichst viele Optionen offen halten möchte und das Fulbright Stipendium mit bis zu 30.400$ Lebenshaltungskosten in den Staaten unterstützen würde, fand ich eine Bewerbung sehr sinnig.

Die große Recherche bezüglich Masterprogrammen und eventuellen anderen Möglichkeiten werde ich im August beginnen, da die meisten Deadline um den Jahreswechsel sind. Nebst Amiland habe ich London und Madrid ins Auge gefasst. Man wird sehen!

Seit Mittwoche habe ich dann die letzten Tage mit Graham verbracht. Ihn habe ich in Aleppo kennengelernt und mit meiner Reisegruppe drei Tage in seiner Wohnung in Damaskus genächtigt. Diesen Gefallen habe ich gerne zurückgegeben und wir sind mit vielen anderen noch in Istanbul verbliebenen Leuten um die Häuser gezogen. In jenen Tagen stand auch das Sonisphere Festival an. Die meisten Bands haben mir weniger zugesagt, aber dafür war der 1 1/2 stündige Auftritt von Rammstein umso genialer.  Es war äußerst beeindruckend, wenn nicht sogar überwältigend: Feuerwerk, Flammenwerfer, Lichteffekte und 50.000 Leute die mitsingen war ein Erlebnis, welches sich trotz des Muskelkaters, welchen ich nach zwei Tagen noch sehr deutlich spüre gelohnt hat.

In den kommenden Wochen werde ich selber noch Videos und Bilder von den Saudis bekommen. Ich werde versuchen diese hochzuladen. Diesbezüglich gibt es noch etwas schlechtes zu vermelden. Meine externe Festplatte hat scheinbar den Geist aufgegeben und somit sind alle meine Bilder, Musik, Filme usw. verloren. Ich habe mich seit gestern noch nicht weiter damit beschäftigt, hoffe aber das ich noch einiges retten kann. Deswegen kann ich Euch leider keine Bilder, von dem klassischen Konzert im Topkapi-Palace oder wie ich konzentriert in meinem Zimmer lerne, präsentieren.

Meine Freunde der härteren Rockmelodien bestanden aus en paar Typen aus Saudi-Arabien, einem Iraner, einem Agypter und nen paar betrunkenen Türken. Die Bekanntschaften vom Sonispherefestival ware nicht nur nützlich um synchron headbangen zu betreiben, sondern auch in den Pause etwas über die Geschichte und politischen und kulturellen Verhältnissen in den Ländern zu lernen. Man weiß ja, dass es in den Ländern Zwangsehen gibt und das Frauen „rein“ sein müssen, wenn es zu der elterlich-arrangierten Hochzeit kommt, aber persönliche Erfahrungen zu hören ist ganz was anderes. Wenn in manchen konservativen Teilen Saudi-Arabiens es Gang und Gäbe ist, dass der Vater der Braut mit einer Schrotflinte das Bettlaken nach dem Geschlechtsverkehr präsentiert und im Falle der Reinheit desselben mit der Schrotflinte den Bräutigam zum Wittwer macht, ist schon ziemlich heftig. Rechtliche Konsequenzen zieht dieser Mord nicht nach sich. Auf der anderen Seite ist dies nur in bestimmten Regionen der Fall und die Auswahl des Ehepartners ist nicht ganz so strikt. Natürlich wird das immer noch von den Eltern arrangiert, jedoch kann der Sohn (bezweifle dass es für die Tochter auch möglich ist) seine Mutter beeinflussen das Mädchen auszusuchen, an welchem er Interesse hat. Dann wird im weiteren das zwischen den Parteien verhandelt und das designierte Brautpaar muss vorher zustimmen.

Erschreckend war auch zu erfahren, dass man in Saudi-Arabien für die Veranstaltung von Metalkonzerten ins Gefängnis kommt. Ein privates Konzert wurde von der Polizei gestürmt und vier Veranstalter sind zu Haftstrafen zu sechs Jahren verurteilt worden. Allah/Gott/was auch immer sei Dank, gibt es in jedem Staat solche Sittenwächter, die für die moralische Gesundung der verorrteten Gessellschaft da sind. Die Perversion moralische Überzeugungen mit Hilfe von Waffengewalt zu oktroyieren, fällt in Diskussionen wenig ins Gewicht und unterscheidet sich nur graduellen von den Sittenwächter und deren Methoden in westlichen Gefilden. Hier werden Killerspiele, Musik (u.a. Rammstein), Filme, Meinungen usw. verboten und genauso mit Gewalt gedroht, wenn man diesen Regeln nicht folgt (wer ein Problem mit dem Wort Gewalt in dem Kontext hat, sollte sich überlegen was passiert wenn man den Bußbescheid, oder den auferlegten Sozialstunden nicht nachkommt oder sich sogar dagegen wehrt).

Der Iraner in unsere Gruppe ist ein Flüchtling und wurde während den Protesten im vergangenen Jahr verhaftet. Nach zwei Monaten Gefängnis wurde er in der Zeit bis zum Richterspruch vorübergehende freigelassen. Seine Haftstrafe wurde auf sechs Jahre festgelegt. Sechs Jahre für einen Protest gegen eine offesichtlich manipulierte  Wahl. Er ist daraufhin aus dem Land geflohen und bewirbt sich um politisches Asyl in den USA. Ich hoffe das, das Patriotact- und Homelandsecurity-Establishment sich an die Worte welche an der Freiheitsstatue eingraviert sind erinnert.

Ich muss nun auch mal schließen, da ich mich sonst nur aufrege und auch noch 1000 anderen Dinge für heute Abend zu erledigen habe. Habe viele Leute eingeladen in meinen Geburtstag reinzufeiern und muss noch einiges organisatorisches klären für meine zehn-tägigen Trip nach Deutschland und meinen morgigen Trip nach Trabzon. Der nächste Eintrag wird dann über meinen Aufenthalt in Trabzon und Samsun in circa zehn Tagen erfolgen

Aufgrund von Formatierungsgrünen konnten ich den Abschnitt über meine Noten nur ans Ende stellen:
Wie ich schon mal an andere Stelle angedeutet habe, gefielen mir die meisten Kurse an der Bogazici nicht wirklich. Jedoch hat sich meine Anstrengungen bezahlt gemacht und folgende Noten kamen dabei untenstehende heraus. Zur Erklärung: Die Noten gehen von AA zu F. AA =4,0 , AB 3,5 BB = 3,0 BC = 2.5 CC= 2 CD = 1, 5 DD =1. Somit habe ich dreimal die Bestnote und einmal die Zweitbeste erhalten. Damit habe ich nicht gerechnet und bin sehr glücklich darüber, da das mir mein letztes Semester an der Universität vereinfacht und meinen Notenschnitt insbesondere in der Volkswirtschaftslehre hebt. In Anbetracht meiner Erfahrung mit Makroökonomie und den üblichen hohen Durchfallquoten in dieser „Wissenschaft“ bin ich einfach nur froh, dass der Kram hinter mir ist. Nunja, die zufriedenstellenden Noten gingen jedoch leider auf Kosten von Türkisch. Da alle Noten bis auf Tükrisch wichtig für das Absolvieren des Bachelors mit doppelten Hauptfach sind, konnte ich es nicht schaffen für fünf Veranstaltungen zu lernen, Papers zu schreiben, Präsentationen zu halten und dabei noch der türkische Sprache Herr zu werden. Natürlich ist das Schade, aber der Trade-off musste objektiv betrachtet zu Gunsten der bachelorrelevaten Fächer gehen. Dummerweise habe ich nichts von der Möglichkeit gewusst Tükisch ohne Bewertung zu absolvieren. Nachträgliche Petitionen an das Fakultätsgremium haben mir dann aber leider auch nichts mehr genützt.

AD 220.02 INTRO. TO MANAGEMENT AA AA N
EC 205.01 MACROECONOMICS I CC CC N
INTT252.01 PRINCIPLES OF MARKETING BA BA N
INTT362.01 ECONOMIC INTEGRATION & THE EUROPEAN UNIO AA AA N
PE 142.04 ADVANCED SWIMMING W W N
POLS467.01 COMPARATIVE POLITICAL ECONOMY OF EUROPE AA AA N
TKF 111.01 ELEMENTARY TURKISH FOR FOREIGNERS I DD DD

3 Antworten to “Tag 138: Ein Ende ohne Schrecken”

  1. Hülsen said

    Ich will auch auf ein Rammstein-Konzert! – kann man wohl durch ein Video gar nicht richtig rüber bringen wie die Bühenshow und Atmosphäre ist, oder?

    Wie krass sind denn die Saudis mit den Schrotflinten🙂 Die Töchter stehen ja ganz schön doof da wenn deren Ehemänner mal in der Hochzeitsnacht „nicht können“ und demnach das Laken unbeschmutzt bleibt…
    Glück für deine Zukünftige, dass du kein Saudi bist😉

    Feier noch fein rein in deinen Geburtstag und bis morgen oder so!

    Beste Grüße

    Marc

  2. Jürgen said

    Lieber Wolf,

    ich hoffe, Ihr hattet heute Nacht eine schöne Party, vor allem auch ohne weitere Folgen für den heutigen Ehrentag. Wir wünschen Dir von hier aus alles Gute und viel Erfolg für das kommende Lebensjahr. Einen besonderen Geburtstagsgruß werden wir demnächst in Richtung Nierdermörmter absetzen. Enjoy YOUR day!

    Jürgen.

    P.S.: Wir haben Sommer!

  3. wolfsen said

    Hallo Jürgen,

    die Party hat sehr viel Spaß gemacht und ich trug auch keinerlei Nachwirkungen davon. Vielen Dank für die Glückwünsche. Den Gruß werde ich im kommenden Monat annehmen können, da ich für zwei Seminare meiner Stiftung im Großraum Köln unterwegs sein werde.

    P.S. wir haben um die 35 Grad am Schwarzen Meer =)

    @Marc Nope, nicht wirklich. Die Qualität lässt zu Wünschen übrig, aber wenn 50.000 Leute die Lieder mitsingen ist das einfach nur überwältigend.

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