Tag 80: Syrien

April 30, 2010

Ich hätte eigentlich nie gedacht, dass ich einmal nach Syrien fahren werde. Dies hat sich dann bei der Planung für meine einwöchige Semesterpause geändert. Ein paar Freunde von der Uni Erfurt welche teilweise auch an der Bogazici studiert haben, haben sehr von Syrien geschwärmt und die Idee dort hin zu fahren empfand ich als sehr spannend. Ein paar Leute gesucht und schon ging es los. Ich bin mit Zahira, eine Studentin aus dem „schönen“ Darmstadt, und Athina, einer Griechin, gefahren. Die Italienerinnen hatten einige Probleme und eine war sowieso vorher in Israel und es war klar das sie nicht reinkommt!

Am späten Abend des 21.04. sind wir in Gaziantep im Süden der Türkei gelandet. Dort gab es Nachts nicht viel zu erleben und wir sind früher am nächsten Tag aufgestanden um die Erste von vielen Zitadellen zu besuchen. Danach ging es auch schon mit einem Minibus nach Killis, einem Kaff nahe an der Grenze. Von dort zur Grenze. Diese konnten wir leider nicht zu Fuß überqueren und so haben wir dort glücklicherweise eine Art Shuttletaxi gefunden, welches uns dann für 50 Lira direkt nach Aleppo gebracht hat. Nach nen paar Versuchen haben wir auch ein sehr gutes Hotel mit einem jungen Syrer, der schon überall auf der Welt gelebt hat, gefunden. Dies war außerordenlicht praktisch, weil wir direkt ne Informationsquelle hatte und wir auch viel mit ihm unternommen haben. Wurden direkt zu einer Geburtstagsparty eingeladen, sind mit ihm und seinen Freunden durch die im Abend sehr beschäftigten Straßen Aleppos gezogen und einige Biere im berühmten Baron Hotel, welches schon Gäste wie L.E. Lawrence, Roosevelt und Atatürk bewirten durte, zu konsumieren. Das Hotel hat aber einiges an seinem Glanz verloren, aber nichtsdestotrotz war es sehr interessant mit ein paar Syrer, Deutschen von der GTZ, Tourguides für Australier und anderen Backpackern zu sitzen.

Am nächsten Tag ging es dann durch den geschlossen Suq (Bazar, wirtschaftliches Zentrum) zu einer anderen Zitadelle. Es war Freitag und somit hatte alles geschlossen, weil das der islamische Feiertag ist. Die meisten Leute nehmen das sehr ernst und man sieht in den kleinen Straßen, in den man sich wirklich sehr gut verlieren kann – was jedoch keineswegs eine unangenehme Sache ist, kaum Menschen.
Der Großteil der Zitadelle wurde im 13. Jahrhundert erbaut und bestimmt das Stadtbild von Aleppo. Sie liegt sehr zentral und ermöglicht einen fantastischen Blick über die Stadt. Im Gegensatz zu Istanbul ist dieses Bild von der Farbe grau bestimmt, aber sehet selbst:

Nach diesem eindrucksvollen Ausblick ging es schon zur nächsten Attraktion. Rani, unser Hotelmanagerfreund, hat uns ein Privattaxi zu den Qala‘ at Samaan Runine organisiert. Diese Art des Transports haben wir öfter genutzt. Wirklich sehr praktisch und günstig. Man verhandelt meistens mehrere Minuten mit Taxifahrer, welche einem zu dem gewünschten Ort bringt, besichtet dann die Sehenswürdigkeit, während die Taxifahrer ein-zwei Stunden warten und fäht dann wieder zurück. So etwas kostet dann meistens weniger als fünf Euro. Diese Kirche wurde im 5. Jahrhundert AD zur Ehre eines Einsiedlers mit dem Namen Simeon gebaut. Der Kerl saß da fast 40 Jahre rum und versuchte die ganzen Pilger abzuhalten die ihn besuchen wollten, weil sein asketisches und spartanisches Leben ihm den Status eines Heiligen erbrachte. Nix für mich, aber die Kirche und insbesondere die Sicht war außerordentlich beeindruckend. Wir wurden an diesem Ort sogar selbst zur Attraktion, weil das Militär mit uns ein paar Fotos schießen wollte. Zugegeben, ich konnte auch nicht mehr touristisch aussehen🙂.

Der ereignisreiche Tag wurde durch die stattfinde Geburtstagsparty bei Bruce, einem Australier der in Aleppeo Englisch lehrt, abgerundet. Wir haben zusammengeschmissen und ihm einen zweiten Kuchen gekauft. Leute von der ganzen Welt waren bei der Party über den Dächern Aleppos und wir wurden mit Chips, Kichen, Chilliwodka und lokaler traditioneller Musik und Gesang prächtig unterhalten. Mich wundert es zwar, dass nur ausländische weibliche Gäste dort waren und keine syrischen Frauen, aber ich dachte das hat was mit dem Konservatismus zu tun. Am nächsten Tag wurde ich eines besseren belehrt als ich erfuhr, dass Bruce schwul ist und somit sich dort viele arabische Homosexuelle fanden. Dafür das der Staat behauptet, dass es gar keine Homosexuelle in Syrien gibt haben wir einige kennenlernen dürfen. Ein sehr interessantes und spaßiges Erlebnis. Wir saßen dort bis früh in den Morgen und haben dann auch direkt Couchsurfer aus Damascus kennengelernt, die uns eine Unterkunft anboten. Ein weiterer toller Zufall war, dass Max und Muratcan, zwei Komillitonen aus Istanbul, am nächsten Tag img gleichen Hostel übernachteten und wir noch einige Studen mit den beiden verbringen konnten. Zahira ging es leider den ganzen nächsten Tag nicht besonders gut und auch ich hatte starke Bauchkrämpfe. Somit war der nächste und letzte volle Tag in Aleppo nicht ganz so angenehm, aber nichtsdesto sehr gut. Sind mit nen paar Türken in  den Christenviertel rumgelatscht, haben den Suq besucht und  Wassenpfeife geraucht. Ich ließ mich von so kleinen Zipperlein meins Körpers nicht von der Reiseaction abringen. Weitere Bilder von Aleppo:

Nach drei sehr schönen Tagen in Aleppo haben wir dann früh morgens den Bus für ca. zwei Euro nach Homs genommen. In Homs ist nix los und wir sind nur dort hingefahren, weil es von dort einfach zu einer weiteren – jedoch äußerst eindrucksvollen – Zitadelle zu gelanden. Das Crac des Chaveliers, welches um das in der Mitte des 12. Jahrhundert AD erbaut wurde, ist eine riesige Festung, welches eine bildhübsche Landschaft überschaut. Es wurde niemals eingenommen sondern nur freiwillige übergeben, weil die damals ansässigen Kreuzritter kein Bock hatten fünf Jahre (solange konnte die Menschen in dem Ding überleben) dort eingesperrt zu sein. Die Sicht war wirklich atemberaubend und wir verbrachten mit unseren in Aleppo neugewonnen türkischen Freunden zwei Stunden in dem Schloss. Wir durften dabei auch einem Filmdreh beiwohnen, wobei irgendeine Straßenszene in Agypten nachgespielt wurde und der fetter Regisseur mit einer lauten-bellenden Stimme arabische Befehle den Schauspielern erteilte. Äußerst amüsant sich dies anzuschauen. Und nun schon wieder Bilder…das dauert voll ewig uns ist voll anstrengend den ganzen Kram hier hochzuladen. Ich hoffe Ihr wisst das zu schätzen ^^.

Danach zurück nach Homs und dann nach Palmyra. Diese im 1. Jahrhundert nach Christus von den Römern erbaute Stadt muss, nach den Ruinen nach, gigantisch gewesen sein. Wir kamen im Dunklen an und haben wenig später unser Gepäck in einem medium-schönen Hostel abgeladen. Beim Essen wurden wir von Ahmed angesprochen. Er studiert Pharmazie in Damaskus und unterhält ansonsten ein Beduinenzelt in der Wüste. Er bot uns durch die Runinen per Nacht zu führen. Ich bin bei solchen immer sehr skeptisch, aber das muss man wirklich in diesem Land nicht sein! Er und sein Freund Mohammed wollten kein Geld haben und haben uns sogar in den Tempel bei Nacht gelassen, weil Mohammed anscheinend dort wohnte. Dieses Ding ist normalerweise nicht nach sechs Uhr Abends begehbar und es war etwas besonderes das wir da rein durften. Wir sollen es also auch keinem verraten. Also psssst!!
Am nächsten morgen sind wir um fünf Uhr aufgestanden um den Sonnenaufgang zu sehen. Jener soll besonders sehenswert in den Ruinen von Palmyra sein. Wir waren jedoch en bissel spät und es war auch sehr bewölkt. Nichtsdestotrotz war es sehr schön. Die immer noch angeschlagenen Zahira und die müde Athina gingen wieder zurück zum Hostel und ich war alleine. Die Zeit nutzte ich um in drei Stunden wirklich das ganze riesige Gebiet zu erkunden. Ich bin alte Grabtürme und Berge hochgeklettert, habe die wirklich eindrucksvolle Stille der Wüste genossen und Tee mit Arabern getrunken. Mitags hat sich unsere Gruppe wieder zusammengefunden und wir sind nach Damaskus aufgebrochen. Aber dazu mehr nach den Palmyrabildern:

Ein Taxi mit Taximeter gesucht und dann in das Palästinenserviertel von Damaskus aufgebrochen. Dort haben wir uns mit zwei Amis und einem Briten getroffen. Chandler, Graham und Vick studieren arabisch zum Spaß in Damaskus und haben eine wenig aufgeräumte und saubere aber dafür umso coolere Wohnung in dem Viertel. Es war Vicks letzter Tag in Damaskus und er wollte zu einer Party aufbrechen. In Vorbereitung darauf wurde dann auf der Terasse Beerpong gespielt. Dazu haben Graham, Vick und ich uns dann so ein Beduinengewand angezogen um durch die neu gewonnen Bewegungsfreiheit unsere Gegner zu besiegen. War sehr witzig und wir haben auch den ganzen Biervorrat von dem Alkoholladen vernichtet. Danach eine Party mit 100 von ausländischen Studenten die arabisch in Damaskus lernen.
Am nächsten Tag sind wir spät aufgestanden, haben verschiedenste Sorten Humus, Oliven, Tomaten, Gurken und Fladenbrot gekauft um ein feudales Frühtück zu genießen. Wir haben es sehr ruhig angehen lassen und sind dann gegen vier Uhr oder so in die Altstadt von Damaskus gegangen, wo wir uns die Umayyad Moschee anschauten. Nach dem Islam wird auf einem der Minarette Jesus am Tag des jüngsten Gerichtes erscheinen. Wir haben ihn leider an dem Tag verpasst. Danach schlenderten wir durch den Suq (Basar) und ich kaufte ein paar Gewürze und so en Araberkopftuch. Leider sehe ich für das Ding viel zu Deutsch aus und es steht mir nich wirklich, aber naja das Ding ist multifunktionell und hat auch nur en bissel mehr als zwei Euro gekostet. Ein ausgedehnter Stop mit Cay, Shisha und vielen Runden Tavla hat die touristische Tour abgeschlossen. Ein paar gemütliche Biere auf dem Dach mit Graham ließen  den Tag ruhig ausklingen. Das Verlangen auf weitere Tourismusaction hat uns am letzten Tag endgültig verlassen und wir haben lange geschlafen, uns auf dem Dach gesonnt, viel Tavla gespielt und zusammengekocht. Das war einfach perfekt und dann mussten wir leider auch gege fünf Uhr Mittags aufbrechen um dann mit nem Bus und einem Privattaxi wieder nach Gaziantepe zurück zu kehren um dann nach eine Nacht im Flughafen den Flug zurück nach Istanbul anzutreten.

Ich kann nur sagen, dass dieser Trip unvergessliche und auch einmalige Erlebnisse hinterließ und ich nur wirklich jedem empfehlen kann, dieses Land mit seinen unglaublich freundlichen Menschen und wunderbaren Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Freue mich jetzt schon auf  meinen nächsten Trip, wo auch immer der hingehen wird (E-Mail bezüglich  Visagedöns an das russische Konsulat ist bereits geschrieben).

4 Antworten to “Tag 80: Syrien”

  1. Jürgen said

    Lieber Wolf,

    das letzte Foto ist genial: Alles ist zum Himmel gerichtet, Minarett, Satellitenschüsseln und das Spiel!
    Dein Blog ist übrigens super, Dein Tempo ganz schön gewaltig. Ich selber würde es etwas ruhiger angehen…

    Viele Grüße,
    Jürgen.

  2. wolfsen said

    Hallo Jürgen,

    vielen Dank. Das Tempo kann ich leider nicht drosseln. Die Uni ist sehr einnehmend und wenn ich dann mal Zeit habe, muss ich diese nutzen!
    Habe nun schon wieder Lust auf einen Wochenendtrip. Habe mich anscheinend schon von Syrien erholt.

    Lieben Gruß,

    Wolf

  3. Florian said

    Hey, einen tollen Blog mit vielen Informationen hast du da verfasst.

    Ab 19. Februar bin ich auch in Istanbul an der Bogazici Universität zum Studieren.

    Einen Trip nach Syrien wollte ich auch angehen. Ist dafür aber nicht ein Visum nötig? Wie hast du das Umgehen können?

    Florian

  4. Wolf said

    Hey Florian,

    ich weiß nich ob du das jetzt noch liest, weil ich erst so spät antworte. Habe die E-Mail Benachrichtigung über Kommentar ausgeschaltet.

    Ich habe mir das Visum an der Grenze besorgt, weil ich keine Aufenhaltsgenehmigung in der Türkei hatte und deswegen keins vorher beantragen konnte. War aber kein Problem. Habe weniger an der Grenze bezahlt, als die beiden Mädels in der syrischen Botschaft in Istanbul.
    Ist natürlich mit Risiko verbunden, aber es scheint wirklich äußerst selten zu sein, dass jemand nicht rein kommt. Außer du warst natürlich in Israel oder so.

    Gruß Wolf

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