Tag 79: Kiwis, Gammelhosen und Prinzessinnen

April 29, 2010

Nach sechs sehr schönen und intensiven Tagen in Syrien bin ich nun wieder zu Hause. Bevor ich jedoch einen umfangreichen Bericht über die spannenden Tage dort abliefern kann, muss ich erstmal mit den Geschehnissen davor hinterherkommen.

Nachdem Jan hier war bin ich erstmal krank geworden. Zwei bis drei Tage lag ich nur Hustend und mit ziemlichen Kopfschmerzen im Bett und habe somit die Makroökonomieklausur auch nicht mitschreiben können. Der Campusarzt hat mir deswegen eine Entschuldigung geschrieben und Medikamente verschrieben. Sehr einfach und unbürokratisch, nicht mal meine Versicherung wurde mit einbezogen. Die paar Tage taten sehr gut und es war mal eine sehr schöne Abwechslung mal nicht auf Achse zu sein und sich ausruhen zu können.

Nun etwas unsortiert ein paar interessante bzw. sonderbare Sachen die mir hier zugestoßen sind:
Auf den Straßen von Istanbul (wie auch in Syrien) sieht man selten Bettler oder Straßenkinder. Ein extremes Erlebnis ereignete sich als ich auf Jan’s Ankunft vom Flughafen wartete. Ich saß dort mit einem großen frischgepressten Kiwisaft auf einem Stein und wollte gerade eine SMS schreiben, als ein ca. acht-jähriger Junge vorbeikam, irgendetwas brabbelte und meinen Kiwisaft nahm. Da war ich erstmal Baff! Die Dreistigkeit konnte der Junge aber noch überbieten als er zu dem nächsten Raucher ging (ca. 4 Meter weiter), sich den Rest von einer Kippe schnorrte, sch damit eine zweite anzündeteu um dann mit zwei Kippen und meinem äußerst wertvollen Kiwisaft unter Arm geklemmt wieder an mir vorbei zu wackeln.

Nun zu den Abgründen der menschlichen Präsentationsskills….ich weiß, jeder hat mal angefangen und man muss so etwas berücksichtigen, blabla, aber es gibt einfach Dinge die man während einer Präsentation nicht macht und selbstverständlich sind oder wenigstens mit 30 Sekunden googlen herauszufinden wären. Die Präsentationen fanden in der Veranstanltung „Economic Integration of the European Union“ statt und waren die ersten beiden Gruppenreferate die ich erleben durfte. Die Aufgabe für alle Gruppe war einfallslos und einfach zuerfüllen. Die Gruppen mussten verschiedenen Politikfelder und politische Programme der EU erklären und dabei vier Kernfragen anschneiden. Das stand alles auf dem Syllabus und darüberhinaus hat man auch noch die ganzen Papiere von der EU bekommen und man musste nicht selber denken oder irgendeine Abstraktionsleistung erbringen. So weit so schlecht.
Was ich aber gar nicht fassen konnte war die Qualität der Präsenationen: nicht verständlich, ca. 400 Wörter auf einer Folie, Hintergrund ähnlich wie Schriftfarbe und somit nicht lesbar, ultra schlechtes Design, teilweise schlechtes Englisch. Das könnte man ja alles noch einigermaßen verzeihen. Wodrauf ich aber nicht klar kam und noch immer nicht komme, dass sich da tatsächlich ein Student mit einer Trainingshose/Gammelhose da vorne hingestellt und referiert hat. Darüberhinaus wurden die Fragen auch nicht ansatzweise beantwortet, obwohl es ja die eigentliche Aufgabe war. Diese Gruppe wurde aber auch mit den Worten der Lehrkraft abgespeist, dass sie „poor presenting skills and no idea about that topic“ hätten. Die zweite Gruppe war ein wenig besser, wurde jedoch von einem weiteren Höhepunkt überschattet. Ein Typ, welcher in einer Lederjacke referierte, wurde auf seinem Mobiltelefon angerufen. Anstatt dieses einfach vibrierend klingeln zu lassen, sah es so aus als würde er es ausschalten. Okay, das ist keine große Untebrechung und wäre okay gewesen, wenn er nicht beim zweiten Anruf das Telefon wieder herausholte, daran 20 Sekunden rumfummelt, das Klingeln dann auf laut gestellt wurde um es dann wieder wegzustecken! Da fiel mir dann auch nichts mehr zu ein. Ihr könnt mich gerne pingelig nennen, aber ich erwartet von Präsentationen in einer vermeitlich professionellen Umgebung wie in einer Universität wirklich einiges mehr! Langweilige Präsentation hört man immer, aber das war wirklich das Letzte.

Ansonsten habe ich zum ersten Mal selber Manti gekocht und mit Freunden hier zusammen gegessen und eine der Princes‘ Islands besucht. Normalerweise fährt man dort hin um der Hektik und dem Stress von Istanbul zu entkommen und sich zu erholen. Wir haben jedoch den Trip als eine Art Training für den Ironmancontest uminterpretiert. Wir haben steile Abhänge zu einer Art Strand besichtigt und haben mehrere Berge erklommen. Das hat wirklich sehr viel Spaß gemacht und hat uns die

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Zeit vergessen lassen, so dass wir am Ende eine Pferdekutsche (auf den Insel ist der automobile Verkehr fast komplett verboten) nehmen mussten um rechtzeitig von der Insel wieder zurückzukommen.

4 Antworten to “Tag 79: Kiwis, Gammelhosen und Prinzessinnen”

  1. Mario said

    Deine Bilder können einen ultra neidisch machen!
    Was ist denn mit dem Jungen passiert, der deinen Kiwisaft geklaut hat? ^^

    Ich bin ja gespannt auf deine Syrien-Story.
    Liebste Grüße

  2. paul said

    „Deine Bilder können einen ultra neidisch machen!“ – word.

    das mit dem handy find ich witzig, hat es dann im ernst laut weitergeklingelt???😀 man, was für typen!

    hast du den kleinen jungen wenigstens beschimpft?😀

    sonnige grüße

  3. wolfsen said

    Joa, hat es! Ist schon länger her, aber ich denke nich das er rangegangen ist. Ich glaube er hat dann nach dem er mehrere Sekunden drauf gestarrt hat es ausgeschaltet!

    Nope, wusste nich was ich in dem Moment tun sollte…

  4. Anonymous said

    Hallo Wolf,

    das Kamel ist aber nett anzusehen. Ist das jetzt deins, du wolltest ja schon immer ein Kamel haben. Wie heißt es und wie hast du es über die Grenze bekommen? Die mitgereisten Damen hast du hoffentlich nicht dafür eintauschen müssen?

    Irma

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