Tag 45: Kultur, Dekadenz und Stress

März 26, 2010

Welch eine fürchterliche Woche! Nach dem Bericht werdet Ihr verstehen warum ich mich länger nicht gemeldet habe. Am Mittwoch stand ein Quiz für „Comparative Politcal Economies of Europe“ an, am Mittwoch eine Präsentation (Gruppenarbeit mit zwei Türkinnen, einem Amitürken und meine Wenigkeit) und die Abgabe eines Papers, sowie ein Türkischtest an. Achja, Dienstag musste ich noch eine Casestudy zu der Haltung der UK zu der Papiergelddruckmaschiene EZB schreiben. Somit hatte ich wenig Zeit und musste daher auch gestern erstmal nach der Uni mit en paar Deutschen, einen Slowaken, einer Spanierin und en paar Amis Mittags Bier trinken. Nichts besonders, nur zusammengesetzt und en par Effes getrunken, wobei mir dann aufgefallen ist, dass in dem Zeug Reis(!!!) und Zucker drin ist.

Das ist jedoch alles weniger spannend und ich springe zwei Wochen zurück. Nach dem Wochenende in Kappadokien stand am nächsten We ein kulturelles Event an. Ein wirklich ausgezeichnet informierter und perfekt Englisch sprechender Geschichtsdoktorant führte uns durch zwei Museen und zwei Moscheen und versorgte uns mit entsprechendem Hintergrundwissen. Die erste Station war die Chora-Kirche, welche im 13. Jahrhundert gebaut und mit zahlreichen Mosaiken versehen wurde. Dann kamen die Osmanen und haben die Römer (wo ich lernen durfte das dieses Zeitalter der Römer nur begrifflich mit Byzantinismus abgetrennt wurde) platt gemacht und alle Fresken und Mosaiken übermalt und nicht zerstört, weil der Islam ja keine religösen Bilder erlaubt und die allgemein abiblischen Bildern nicht sonderlich interessiert sind.

Die nächste Stationen waren die Fatih Mosque und die Şehzadebaşı Mosque, wobei gerade bei der Fatih Moschee der Iman, respektive die Tonbandaufnahme, die Gebete verkündet hat und ich nix verstehen konnte. Wir konnten eh nicht rein, weil die Türken gerade wie verrückt überall bauen und renovieren, weil ja Istanbul die Weltkulturhautpstadt 2010 ist. Bisher ist aber von den Fortschritten oder von den ganzen Events wenig zu spüren. Naja, Pünktlichkeit hat hier nicht den gleich hohen Stellenwert wie in Deutschland.

Danach die Hagia Sophia und dann ging es zurück zum Superdorm, das Gefängnis von die meisten Amis drin eingesperrt werden. Ich habe mich da nur aufgehalten, weil um sechs Uhr ein weiteres Highlight anstand. Ich wurde zu einem Essen bei einer türkischen Familie eingeladen. Wir wurden unendlich vollgestopft. Es gab drei Vorspeisen: Sigara Salma (Salma=gedrehte Zigarettenteigstangen, Sigara ist Zigarette), Salat und ein bitterer Dipp mit Weinblätter. Danach gab es Corba (Suppe) und dann drei Gänge Hauptspeise: n Öl geschmorte Auberginen, eine Art türkisches Meatloaf und Mantir. Danach war ich schon gut komatisiert aber natürlich gab es Cay Kuchen und Kekse und danach noch türkischer Kaffee und mit Honig garniertes Obst. Viel zu viel, aber sehr gut und wir haben noch stundenlang dort gesessen und via Dolmetscher ein wenig geplauscht und ein andere Deutscher hat auch die Zukunft aus dem Kaffeesatz gelesen bekommen. Sehr spaßig, danach ging es nach Taksim um mit einer griechischen Freundin ihren Geburtstag zu zelebrieren. Hat Spaß gemacht, aber ich habe nicht verstanden warum ich 9 Lira für ein Bier und genauso viel für einen großen Raki bezahlen musste.

Wo wir schon mal beim Essen sind: Am nächsten Wochenende wurde ich von Mark, einem Ami, eingeladen mit ihm und seinem Besuch Essen zu gehen. Sehr nett das er mich erst gefragt hat. Denn keiner hätte sich die Einladung ins Mikla entgehen lassen. Als Vorspeise gab es „Smoked Macarel mouuse“ und als Hauptspeise Lamm Schulter, welche sehr köstlich zubereitet war. Zum Nachtisch ein köstliches Souffle. Habe mir extra für den Abend ein Hemd für ganze 10 Euro und Schuhe für 25 Euro gekauft.

Nach dem Feuerwerk der Dekadenz ging es am nächsten Morgen schon sehr früh nach Bursa. Die viertgrößte Stadt in der Türkei. Dort gab es mal wieder Moscheen, interessante und übervolle Basare, kaum Touristen und schöne Aussichten. Sonntag fing dann die Lernerei an, die mich die ganze Woche ziemlich gestresst hat. Heute kann ich mich dann endlich ein bisschen erholen bis es heut Abend zu einer französischen Hippiemottoparty geht. Mal gucken wie das wird.

5 Antworten to “Tag 45: Kultur, Dekadenz und Stress”

  1. Paul said

    mmh, lamm & reisbier🙂 was es nicht gibt! danke für die eindrücke, hauptsache der stress hat sich auch gelohnt!

    zufällig drüber gestolpert: kommt bekannt vor? http://ef-magazin.de/2010/03/24/1951-sammelband-zur-finanzkrise-alternativen-zum-zentralbankwesen

    grüüüüße und weitermachen!

  2. wolfsen said

    Joa habe ich schon gesehen gehabt…ich hoffe die haben noch Interesse meinen Kram auch zu publizieren, falls das überhaupt iwann mal fertig wird und auch die entsprechende Qualität hat!

    Haste schon wat von der Insel gehört?

    Gruß Wolf

  3. Irma said

    Hallo Wolf, viel Kultur, viel leckeres Essen, viel Stress! Ist das Sportangeboten auch vielversprechend ? Oder zu wenig Zeit!

    liebe Grüße bis bald
    I r m a

  4. Ulrich said

    Man versteht überall auf dieser Welt exquisit zu speisen. Sehr schön!

    Was mich etwas verwundert ist, dass du vom Reis im Bier so überrascht bist. Reis und Zucker sind in nicht deutschem (europäischen) Bier durchaus üblich. Hab gestern erst Alligator gekostet und dazu Corona getrunken (mexikanisches Bier u.a. mit Reis und Mais). Die Japaner arbeitet auch gern mit Reis im Bier.

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