Tag 16 oder auch „Your class is sooooo riveting to me“

Februar 25, 2010

Eigentlich hatte ich immer das Gefühl das ich ziemlich stressresistent bin, aber diese Woche war echt heftig. Ich konnte dies nur durch eine gleich hohes Rumnöhllevel kompensieren. Nach der ersten Anmeldungsphase für die Kurse hatte ich folgenden Stundenplan:

Turkish 111.03
Comparative Political Economy of Europe
Current Issues of World Politcs II (graduate course)
Topics in Public Finance
Turkish Tax System und
Macroeconomics I

Die Veranstaltung zum türkischen Steuersystem wurde nur auf Türkisch gehalten, was eigentlich nach BU Hochschulrichtlinien gar nicht möglich ist, und hinderte mich an der Belegunge des Kurses. Dies hat meinen Stundenplan schon früh aus der Bahn geworfen, weil ich leider auf die vielen VWL Punkte angewiesen bin, da ich sonst meinen Doublemajor in VWL und Politikwissenschaften gefährdet sehe. Normalerweise ist Finanzwissenschaften genau mein Gebiet und ich habe so gut wie alles an der Universität Erfurt darin belegt, aber der Kurs hier an der Uni ist sehr stark mathematisch ausgerichtet. Dies macht ihn für mich unattraktiv, weil a) Mathe stinkt und b) ich schon genug davon durch Makro I habe. Deswegen war ich z.B. am Dienstag sieben Stunden hintereinander in Veranstaltung auf dem Campus. Diese sieben Stunden gepaart mit ständiger Hetzerei von einem Campus zum nächsten, sowie der ständigen Sucherei nach den Räumen. Das Schlimmste ist jedoch, dass man meist immer nur so kleine Kaffee bekommt: Etwa 200ML.

Mein Stundenplan muss sich also verändern und ich durfte wieder in das Vorlesungsverzeichnis schauen und gucken welche Kurse in mein Stundenplan passen und eine grobe ökonomische Ausrichtung haben. Dadurch musste ich ein wenig kreativer werden und habe nun auch Veranstaltungen aus der Fakultät für „International Trade“ belegt. Mein jetziger Wunschplan sieht wie folgt aus:

Turkish 111.01 (bessere Zeiten, an nur zwei Tagen anstatt an drei)
Macro I
Topic in Public Finance (werde ich höchstwahrscheinlich noch droppen, kommt drauf an wie der Schwierigkeitsgrad und der Arbeitsaufwand wird)
Introduction into Management
Introduction into Marketing
Comparative Political Economy of Europe
Economical Integration of the European Union

Das sind umgerechnet ca. 36 ECTS Punkte und viel weniger als ich normalerweise mache. Jedoch hat die BU, wie auch die meisten anderen Nichtdeutschen Universitäten, eine angloamerikanische Art der Lehre. Man hat wenige dafür jedoch intensiv Kurse. Das heißt z.B. für Marketing, dass ich dort eine Gruppepräsentation, zwei Case Studies, ein Essay, das Midterm- und das Finalexam absolvieren muss. Dies bedeutet einen gleichmäßigen Workload bei dem man kontinuierlich mitarbeiten muss. Dieses System ist meines Erachtens viel besser, da dies kein so starkes Bullimielernen am Ende des Semesters beinhaltet und auch nachhaltigeres Wissen hervorbringt. Jedoch sind somit in einem Semester nicht ansatzweise die 50 Punkte drin, die ich sonst an der UE belege.

In Kursen die man vorher nicht auf seine Liste hatte, sollte man vor dem Besuch eine E-Mail schreiben wodrin man sich erklärt warum man den Kurs nicht belegen konnte, warum einen der Kurs interessiert usw. Es ist eigentlich immer das Gleiche und sehr durchschaubar, aber trotzdem muss es gemacht werden. In einem zweiten Schritt geht man dann zu den Veranstaltungen hin, spricht am besten noch persönlich mit dem Professor und weint dort rum, dass alles nich so toll mit dem Stundenplan ist und das man unbedingt diesen höchstinteressanten Kurs benötigt. Dabei kann man varieren: Your topic is riveting to me, I got a lot of recommendations about your intresting class, I have experience in your field of study and I would like to improve it even further, blablabla…Diese Vorgehensweise wurde mir von einigen türkischen Studenten empfohlen und ich kann meine deutsche Korrektheit in dem Fall zurückstellen, weil ich keine Lust habe nicht in meine Kurse zu kommen.
Danach vielleicht noch eine E-Mail um zu erinnern und dann kann man den Kurs in der sogenannen Add/Drop-periode mit dem Einverständnis (Consent: was diesemal eine Nachricht im Anmeldungssystem bedeutet) des  Professors belegen. Den Kram dann abschließend von seinem akademischen Advisor absegnen lassen und dieser Schritt ist getan. Danach folgt das Learning Agreement, welches von Verantwortlichen von beiden Universitäten unterschrieben werden muss. Damit sollte meiner heimischen Notenanrechnung nichts mehr im Wege stehen. Vermutlich naiv zu denken, dass das so einfach sein wird.

Ansonsten habe ich die Woche viele neue Leute kennengelernt (das Gros der Ausstauschstudenten sind Amis und Deutsche) und nichts weiter gemacht außer totmüde meist vor 10:00 Uhr ins Bett zu fallen. Die Mühe hat sich jedoch schon in so weit gelohnt, dass ich einen freien Freitag habe!

4 Antworten to “Tag 16 oder auch „Your class is sooooo riveting to me“”

  1. Anne said

    Klingt ja alles ganz schön anstrengend. Aber mit dem E-Mail-Rumheul-System wird das doch bestimmt gut funktionieren, oder!? =)
    Kriegste denn dann für den größeren Aufwand bei den einzelnen Lehrveranstaltungen nicht auch mehr ECTS? Kannst du da nicht noch was raushandeln beim learning agreement?
    Die Tragödie des kleinen Kaffees tut mir sehr Leid.
    Sind denn die Leute nett, die du kennengelernt hast? Hast du auch Kontakt zu einheimischen Studis?

    Liebe Grüße aus Erfurt,
    die Anne

  2. wolfsen said

    Hey Anne,

    nun und dann wenn du dann sieben Stunden Uni hattest musst du dann für ca. 40 Minuten in einem Bus mit ca. 100 anderen Leuten stehen und dich krampfhaft festhalten, weil es nur Stop-and-Go ist und es über Berg und Tal geht ^^. Naja, ich werde mic hdaran gewöhnen bzw. die Rushhour in der Bib verbringen.
    Joa, also ich bekomm ca. für jede Veranstaltung 6 ECTS, ich denke nicht, dass die UE mir sowas wie neun Punkte anrechnen lässt, weil das gar nich möglich ist. Also maximal 6, weil diese auch in dem System meist mit 5 oder 6 ECTS ausgeschrieben sind.
    Dafür gibt es zu Hause immer guten und großen Kaffee. Onur und ich sind starke Kaffeetrinker und da gibts immer welchen ^^. Haben nun in einer Woche ein halbes Kilo Bohnen verbraucht.
    Kontakt zu Türken habe ich: ich kenn ein paar von meiner Uni, zwei von der Technischen Uni und naja, kein Problem bisher. Aber soweit haben sich jetzt noch keine langfristigen freundschaftlichen Beziehungen herauskristallisiert. Man kommt halt mit den meisten klar und es ist spannend, aber so schnell kann man glaub ich auch sowas noch sehen.
    Heute erstmal die erste ERASMUS Party aus allen Unis (also kA wie viele da kommen). Wir haben ja allein schon glaub ich 200-300 ERASMUS People.

    Gruß aus Besiktas,

    Wolf

  3. Irma said

    Hallo Wolf, Du hast ja einen großen Verbrauch an Honig. Ich glaube davon gibt es in der Türkei genug. Nehme nicht Honig mit Nüssen, das tut so weh beim verreiben.
    Es tut mit leid, das mit dem kleinen Kaffee.Ich werde vor Ostern einen Hasen mit Kaffee rüberschicken.Was soll der Hase noch mitbringen? Hoffentlich findet er auch den Weg. Ganz schön kompliziert, dein Studienzickzack in Instanbul.-Nur die Harten kommen in den Garten – , meine Sichtweise.
    Alles Liebe, trotzdem viel Sonnenschein,
    Deine Irma

  4. Paul said

    wenn du für integration noch lesenswerte unterlagen brauchst –> icq😉

    weitermachen!

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