Tag 5: Action, action, action

Februar 15, 2010

Was alles so in fünf Tagen passieren kann ist erstaunlich! Ich muss erst mal meine Bilder von der Kamera mir anschauen um all die wundervollen Eindrücke zu rekapitulieren. Die ersten drei Tage waren sehr stressig. Ich habe nicht das Leben eines Touristen geführt. Ich musste mich direkt in das kalte Wasser werfen und viele Stadtteile Istanbul eigenständig erkunden, weil dort die verschiedenen Wohnungen liegen, welche ich mir angeschaut habe. Die erste Bude war aufgrund des netten türkischen Studenten attraktiv und sehr billig. Die riesigen Schimmelflecken in der Ecke haben ich jedoch ein wenig beunruhiged und ich habe mir noch weitere Wohnungen angeschaut. Bei der Zweiten war der Typ mir äußerst suspekt, weil er ungefähr 100 Mal „Don’t worry, my friend“ sagte und allgemein auch die Bude etwas brüchig war. Danach bin ich 50 Minuten (es kam mir wie eine Ewigkeit vor) mit gefühlten 300 Leuten in einem Bus von şişli nach Ortaköy gefahren. Das war der Horror! Dort angekommen waren beide Wohnungen innerhalb von 15 Minuten vergeben und ich konnte wieder zurückfahren!

Nach diesen frustrierenden Stunden, die mich den Großteil meines Tages gekostet haben, bin ich Abends noch nach Beşiktaş gefahren um mich dort mit einem weiteren Onur zu treffen. In genau diesem Appartment sitze ich nun drei Tage später und es ist perfekt. Onur ist unglaublich freundlich, hilfsbereit, humorvoll und hat an der BU (Bogazici University) graduiert. Somit konnte er mir auch mit dem ganzen formalen Gedöns helfen, welches sich in Form der Anmeldung heute morgen ausgedrückt hat. Dort versuchen ca. 10.000 Studenten gleichzeitig soviele Kurse wie möglich zu ergattern und das System ist hoffnungslos überlastet. Ich habe mit etwas 15 gleichzeitigen Tabs gearbeitet und leider nur zwei Kurse bekommen. Dies wird sich jedoch hoffentlich noch ändern und ist völlig normal.
Ein weiterer Mitbewohner in meiner WG wird in zehn Tagen oder so noch gesucht werden. Bilder von der Wohnung werde ich den nächsten Tagen bei irgendeinem Filehoster uploaden. Der erste Besuch der Wohnung hat drei Stunden, zwei Effes und einige Stücke von selbstgebackenem herzhaften Gebäck gedauert. Wie soll man dann noch Nein sagen?

Yusuf ein Freund von Onur1 (dessen Couch ich benutzt habe) hatte über das Wochenende Freunde aus Spanien eingeladen und nach dem anstrengendem Tag haben wir uns in einer der vielen Kneipen am Taksim Square getroffen. Dabei habe ich erfahren das Yusuf eine kleine Tour mit den beiden Spaniern machen wollte und ich habe mich dort direkt eingeklinkt, weil ich bisher nicht besonders viel von den umfangreichen Sehenswürdigkeiten erblickt habe. Es war ein wenig anstrengend aber lohnenswert. Anstrengend deshalb, weil wir bis 9 Uhr morgens durchgefeiert haben und um 12 Uhr schon wieder aufgestanden sind, weil die Spanier nur das Wochenende über in Istanbul waren. Nach dem wir uns durch den Gewürz Basar gekämpft haben, stand die Hagia Sophia und die Blaue Moschee auf dem Plan.

Bevor wir jedoch diese großartigen Bauten bewunderten, waren wir in einer riesigen und berühmten Zisterne, der Cisterna Basilica. Dieses fast 1500 jährige Bauwerk ist erstaunlich und dient nicht nur dem Tourismus, sondern auch als Ort für Konzerte und Lasershows. Mitten im Wasser umgeben von Fischen gibt es sogar eine extra Plattform auf der solche Veranstaltung dargeboten werden. Meine abschließenden Worte zu Yusuf waren, dass ich es super finden würde mal solch ein Konzert in der Zisterne zu erleben. Dieser Wunsch ging überraschenderweise drei Stunden später in Erfüllung. Ich hatte mich nämlich für ein Konzert mit türkischem Tanz angemeldet und musste etwas früher von unsere touristischen Hetze aufbrechen um zu dem Treffpunkt am Superdorm (in der fast nur die Amis wohnen und mehr für ihr manchmal mit Schimmel gespickte Gefängniszelle zahlen als ich für meine 17 Quadratmeter) zu gelangen. Ich wusste nämlich nicht wo der Platz ist wo wir uns treffen sollten. Ich hatte auch durch die Feierei und den Stress der letzten Tage nicht so den Plan gehabt wo ich hin muss und was überhaupt so genau passieren wird. Dieses Konzert hat dann genau in der vorher besuchten Zisterne stattgefunden und war sehr eindrucksvoll.

Dies war der zweite Derwisch in meinem Leben (den ersten habe ich zufälligerweise bei einem türkischen Festival in New York gesehen) und es war wieder mal beeindruckend, wie sich diese Typen sieben Minuten im Kreis drehen können und dann einfach stehen bleiben, um dann ohne irgendwelche Rückwärtsessendenerscheinungen ziemlich cool wegzulatschen. Danach? Wie hätte es auch anders sein können Party ^^. Angenehmerweise konnte ich mich ein netter Gruppe mit elf weiblichen Teilnehmer anschließen und wir sind zum Taksim gelaufen um dort ein weniger traditionelles Konzert  zu besuchen. Da mein Mobiltelefon unglücklicherweise leer war, konnte ich leider nicht mit Onur1 checken, welche Etablissements kosher sind und welche nicht. So sind wir dann um 2 Uhr in einem eher schäbigen Club gelandet. Das is ja nicht das Schlimme, aber irgendwelche Leute haben den Mädels die ganze Zeit Schnaps ausgegeben und mir ein Bier. Nach einiger Zeit haben die mir aber eine Rechnung von 100 Lira präsentiert. Das ist etwas weniger als 50 Euro. Das ich die deswegen ausgelacht haben fanden sie nicht so witzig und bestanden auf die Kohle. Wir sind dann einfach abgehauen und ich habe mich noch meinen türkischen Freunden angeschlossen die einen gemütlichen Abend in der lateinamerikanischen angehauchten Kneipe verbrachten. Dort haben wir uns noch einige traditionelle, völlig andere, türkische Tänze angeschaut und wieder bis zum Morgengrauen dort eine gute Zeit verbracht.

Die restlichen zwei Tage habe ich etwas ruhiger angehen lassen und habe mich ein wenig eingerichtet, meine Tasche ausgepackt und einiges an Zeug gekauft. Lebensmittel sind verdammt teuer hier und mein Konto wird schneller leer als ich das möchte, aber dafür habe ich ja extra gespart und in der ersten Zeit eines Auslandssemester kann man und will ich auch nicht sparen. Aufgrund dieser Einstellung werde ich auch Mittwochnacht mich auf den Weg nach Sofia in Bulgarien machen. Vermutlich werde ich danach (ca. 22.02) wieder Zeit finden zu bloggen. Ich freue mich natürlich wieder auf Eure Kommentare.

Nun habe ich auch eine neue Adresse, falls Ihr mir mal was schicken wollt. Nach dem nächsten Monat wäre ne neue Leber ein ziemlich gern gesehenes Präsent:

Muradiye Mah.
Murzdiyederesi Sk.
Altıoklu Apt.
No. 27/1
34357 Beşiktaş / Istanbul

3 Antworten to “Tag 5: Action, action, action”

  1. Anne said

    Toll, dass du jetzt eine erschwingliche Wohnung mit nettem Mitbewohner gefunden hast! Ich bin gespannt, auf die Fotos.
    Die scheinen ja in Istanbul die ganze Zeit zu tanzen, hm? oO
    Hoffentlich kommst du dann noch in ein paar mehr Kurse rein. Wann geht denn die Uni bei dir eigentlich los?
    Und jetzt bist du kaum da, da willst du schon wieder weg, nach Sofia? Du bist ja des Wahnsinns! Aber das ist ja nichts neues. ;P
    Na dann mach’s gut und gute Reise! =)

  2. Irma said

    Nochmal Hallo, der Bericht war toll zu lesen, wir glauben, dass du etwas langsamer treten solltest. Eine neue Leber gibt es nicht so ohneweiteres. Bereite uns keinen Kummer. Fährst du alleine nach Sofia? Na, ich werde ja morgen mit dir telefonieren. Deine Berichte werden von uns mit Spannung erwartet.
    Pass auf dich auf. Bis bald, alles Liebe Irma

  3. Wolf said

    @Mudder ist alles halb so schlimm und so sind halt die Auslandssemester! Man lebt intensiv und es passt schon alles. Trinke ne menge Ayran und esse Früchte ^^

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